Die Welt verbessern, aber wie

Dr. Heinrich Ganseforth

28. Februar 2022

Noch nie rückten Klimaschutz und Nachhaltigkeit so stark in den Blickpunkt der Öffentlichkeit wie 2021/2022. Die Resonanz auf die Bewegung Fridays for Future, die Top-Wahlkampfthemen und der Ausgang der Bundestagswahl waren dafür klare Belege. Angesichts der immensen Kosten katastrophaler Überschwemmungen auch in Deutschland und der pandemiebedingten Probleme globaler Wirtschaftsbeziehungen wird der wirtschaftliche Nutzen der Nachhaltigkeit kaum noch infrage gestellt. Die Phase, über Nachhaltigkeit nur zu reden, wird derzeit abgelöst durch die Phase, abgestimmte Maßnahmen auf allen Gebieten der Nachhaltigkeit zu fordern und zu planen. Dabei geht es nicht nur um die nationale und globale Ausrichtung von Politik und Verwaltung, sondern auch um die Verantwortung der Privatwirtschaft für ihren Beitrag zur Lösung der drängendsten Herausforderungen, vor der die Welt steht.

Im Zusammenhang mit einer im Januar veröffentlichten globalen Studie hat das Personalberatungsunternehmen Russell Reynolds festgestellt, dass Führungskräfte, »die die Gräben überbrücken, die unsere globale Gesellschaft bedrohen, erhebliche sog. Dreifach-Dividenden (in den Bereichen Unternehmensgewinne, Menschen, unser Planet) erzielen« werden. Dennoch: Die Unternehmen in Deutschland liegen – so ein Ergebnis der Studie – bei der Einbettung der Nachhaltigkeit in die Unternehmensstrategie im globalen Vergleich zurück. Und das, obwohl Führungskräfte, die Nachhaltigkeitsprioritäten setzen, der Studie zufolge sicher sein können, dass diese Themen ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am wichtigsten sind. Und auch die Führungskräfte wollen laut der Studie fast alle zum Aufbau einer besseren Welt beitragen, sie wissen aber oft nicht, wie sie ihren guten Willen in konkrete Maßnahmen umsetzen sollen (vgl. Russell Reynolds (Hrsg.), Studie „Trennlinien und Erträge Deutschland – Führen für eine nachhaltige Zukunft“, 2022). Betrachtet man das Thema aus Sicht der Vorstände deutscher Unternehmen, so bestätigt die Studie, dass Nachhaltigkeitsmaßnahmen in der Regel im Rahmen des Markenmanagements, also aus Marketinggründen getroffen werden, und nur 15 % der Vorstände von zusätzlicher Wertschöpfung durch Nachhaltigkeit ausgehen. Häufig haben Vorstände im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit nur das Reputationsrisiko vor Augen, also möglichen Schaden, der entsteht, wenn angebotene Produkte und Dienstleistungen (öffentlich) mit gesellschaftlich unverantwortlichen Geschäftspraktiken z. B. im Rahmen der Lieferbeziehungen, in Verbindung gebracht werden. Aber: Ob aus Gründen zusätzlicher Wertschöpfung, besserer Reputation oder reduzierter Risiken am Markt – erkennbar ist, dass Nachhaltigkeit nicht nur in Politik und Verwaltung, sondern auch in der Geschäftstätigkeit der meisten Unternehmen eine immer größere Rolle spielt.

Alle Anzeichen sprechen dafür, dass nur eine nachhaltige Geschäftspolitik den Unternehmenserfolg langfristig sichert. Dazu müssen Gesellschafter, Vorstände und Führungskräfte ein gemeinsames Verständnis für ihren CSR-Beitrag entwickeln und ihr Geschäftsmodell so umgestalten, dass alle Maßnahmen unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit bewertet werden. Unter CSR (Corporate Social Responsibility) versteht man den Beitrag, den Unternehmen für eine nachhaltige, also ökonomisch, ökologisch und sozial verantwortliche Geschäftspolitik leisten.

Für CSR gibt es keinen normierten Management-Standard, aber es gibt mit der DIN ISO 26000 einen international anerkannten Leitfaden zur Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung. Diese Norm beruht auf zahlreichen etablierten Standards und definiert umfassend, was gesellschaftlich verantwortliches Handeln in den CSR-Kernthemen Organisationsführung, Menschenrechte, Arbeitspraktiken, Umwelt, faire Betriebs- und Geschäftspraktiken und Konsumentenanliegen beinhalten kann. Auf Basis der Grundsätze dieser Norm bietet Strategy & Marketing Institute GmbH mit dem Management-Tool sustaincert26000® ein effizientes, anerkanntes Verfahren an zur Entwicklung einer CSR Strategie und zu einer differenzierten und transparenten Bewertung der CSR- Leistung von Unternehmen und Organisationen.